Franz Hinkelammert

Die Leben-Tod-Urteile

Die Urteile, die nicht Zweck-Mittel-Urteile sind, aber gleichzeitig doch Sachurteile, sind Leben-Tod-Urteile. Zwingende Normen basieren auf solchen Leben-Tod-Urteilen. Du sollst nicht töten ist eine zwingende Norm, die aus Sachurteilen folgt. Dies gilt nicht nur für die Norm, sondern auch für die Ausnahmen (z.B. Notwehr) Sie setzen den conatus, von dem Spinoza spricht,  voraus. Max Weber schließt solche Sachurteile aus, wenn er die Möglichkeit von Werturteilen ablehnt. Er sieht diese Sachurteile normalerweise überhaupt nicht. Der conatus hingegen ist eingeboren. Ein Lebewesen hat ihn, ein Mensch hat ihn auch, aber gleichzeitig weiß er, dass er ihn hat. Marx gibt diesen Leben-Tod-Urteilen einen zentralen Platz.

Die Zweck-Mittel-Beziehung ist ständig riskant. Dies macht, dass sie ständig mit Leben-Tod-Urteilen verbunden ist, die eben keine Urteile instrumentaler Vernunft sind. Es ergeben sich ständig Urteile, die sich nicht auf einen  Zweck richten, sondern auf das Problem Leben-Tod in der Zweckverwirklichung. Zum Beispiel: Ich überquere eine verkehrsreiche Straße. aus irgendeinem Zweckurteil heraus. Aber diese Überquerung muss ich ständig verändern, je nach den Gefahren, die sich aus dem Verkehr ergeben. Sie sind nicht dem Zweck geschuldet, sondern dem Leben-Tod-Problem, das ständig in der Verfolgung des Zweckes sich gegenwärtig macht und die Verfolgung dieses Zweckes unter bestimmten Bedingungen unterbricht.

Diese Leben-Tod-Urteile sind Sachurteile ganz so wie die Zweck-Mittel-Urteile. Aber sie konstituieren Werte. Man kann nicht über eine Straße gehen, ohne den Wert des Lebens dem Tod gegenüber herauszustellen. Das Leben muss als Wert behandelt werden, wenn irgendein Ziel verwirklicht werden soll. Man könnte dann sagen, diese Bewertung des Lebens ist dann ein Mittel zur Erreichung des Ziels.  Aber das ändert nichts daran, dass das Leben als Wert geachtet werden muss. Es wird nicht Teil des Zweck-Mittel-Kalküls selbst. Die Möglichkeit dieses Kalküls ergibt sich ja gerade  durch die Abstraktion von der Leben-Tod Beziehung.

Spinoza definiert diesen conatus auf folgende Weise:

Conatus esse conservandi primum et unicum virtutis est fundamentum.

Das Bestreben, sich zu erhalten, ist die erste und einzige Grundlage der Tugend (IV. 22, Zusatz. Lehrsatz 23,24) Spinoza, Benedictus de: Die Ethik. Reclam, Stuttgart 1977 S. 486/4870

Er fügt hinzu:

Nemo potest cupere beatum esse, bene agere et bene vivere, qui simul non cupiat, esse, agere et vivere, hoc est, actu existere.

Niemand kann begehren, glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, ohne daß er zugleich begehrt, zu sein, zu handeln und zu leben, d.h. wirklich zu existieren. Spinoza op.cit. (IV, Lehrs. 21,22) S. 484/485

Hier ist das menschliche Leben zum obersten Wert geworden, aber eben als conatus, nicht als Entscheidung und schon gar nicht als Werturteil.

Man kann gar nicht leben oder weiterleben, ohne dieses Leben als obersten Wert zu haben. Allerdings ist dann die Frage, was dieses Leben, das im conatus ausgedrückt wird, letztlich bedeutet.

Hier liegt eine Reflektion über die Methodologie Max Webers nahe. Weber identifiziert einfach nur Sachurteile und Zweck-Mittel-Urteile, die wir auch ganz einfach instrumentale Urteile nennen können. . Dass es eben auch Leben-Tod-Urteile gibt, die Sachurteile sind, fällt ihm nicht einmal ein. Dies simplifiziert seine Methodologie der Sozialwissenschaften dann auch so ausserordentlich. Wenn es sich um Sachurteile handelt, kann man nach Max Weber im Namen der Wissenschaft einen Standpunkt beziehen. Sind es aber Werturteile, also Urteile über Werte, dann eben nicht. Das ist so wie man bei einem Haufen Erbsen die guten heraussucht und die schlechten wegschmeißt.

Max Weber und die Widersprüchlichkeit seiner Methodologie

Das Problem aber ist, dass auch Max Weber das nicht durchhalten kann. Dies führt zu einem Widerspruch in seiner Methodologie, der diese überall durchzieht , ohne dass Weber darauf Bezug nehmen kann. Er gibt Urteile ab, die im Namen von Sachurteilen über Werte urteilen, aber analysiert dies überhaupt nicht und erwähnt es nicht ein einziges Mal in all seinen methodologischen Äußerungen. Dennoch benutzt  er diese Leben-Tod-Urteile.

Ich will ein entsprechendes Beispiel zeigen und dann analysieren.

"Die Beherrschten ihrerseits ferner können einen einmal bestehenden bürokratischen Herrschaftsapparat weder entbehren noch ersetzen, da er auf Fachschulung, arbeitsteiliger Fachspezialisierung und festem Eingestelltsein auf gewohnte und virtuos beherrschte Einzelfunktionen in planvoller Synthese beruht. Stellt er seine Arbeit ein oder wird sie gewaltsam gehemmt, so ist die Folge ein Chaos, zu dessen Bewältigung schwer ein Ersatz aus der Mitte der Beherrschten zu improvisieren ist. Dies gilt ganz ebenso auf dem Gebiet der öffentlichen wie der privatwirtschaftlichen Verwaltung. Die Gebundenheit des materiellen Schicksals der Masse an das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen nimmt stetig zu, und der Gedanke an die Möglichkeit ihrer Ausschaltung wird dadurch immer utopischer."[1]

Worauf sich Max Weber unter anderem hier bezieht, ist die Existenz des Marktes und seine Unvermeidlichkeit für eine so komplexe Wirtschaft wie die unsrige. Er antwortet damit auf eine Forderung der sozialistischen Bewegungen seiner Zeit, die vom Sozialismus fordert, den Markt abzuschaffen und dies als Grundbedingung für die Existenz einer sozialistischen Gesellschaft ansehen. Max Weber erklärt  in dem zitierten Text dies für unmöglich und ich teile vollständig seine Meinung. Diese Unmöglichkeit hat sich dann ja in den Erfahrungen der Sowjetunion gezeigt. Meine Kritik zielt auf etwas ganz anderes, das direkt mit der Weberschen Methodologie der Sozialwissenschaften zu tun hat. Max Weber drückt dies ja dann im selben Zitat ganz konzentriert aus, wenn er sagt: „Die Gebundenheit des materiellen Schicksals der Masse an das stetige korrekte Funktionieren der zunehmend bürokratisch geordneten privatkapitalistischen Organisationen nimmt stetig zu, und der Gedanke an die Möglichkeit ihrer Ausschaltung wird dadurch immer utopischer."

Wir müssen uns nun darin erinnern, dass für die Existenz des Marktes eine Marktethik gilt, ohne die der Markt gar nicht funktionieren könnte. Max Weber selbst gebraucht häufig auch das Wort Markethik. Diese Ethik impliziert viele Werte wie etwa die Eigentumsgarantie, die Vertragserfüllung und den Verzicht auf Betrug.  Ebenfalls impliziert ist das Verbot des Tötens, um damit Zugang zum Eigentum eines anderen zu finden. Ohne in einem ausreichenden Grade diese Ethik zu erfüllen, kann der Markt  seine Funktionen nicht ausüben und bricht zusammen.

Da aber die Funktionsfähigkeit des Marktes  Bedingung für das Funktionieren der sozialen Arbeitsteilung ist, kann  Weber zu Recht behaupten, dass die Folge seiner Abschaffung das Chaos und damit der Tod wäre. Die Abschaffung macht das Weiterleben unmöglich und ist damit selbst nicht möglich, wenn wir davon ausgehen, dass die Menschen weiterleben wollen. Es handelt sich daher ganz offensichtlich um eine Leben-Tod-Urteil, das ein Sachurteil ist und das eine ganz bestimmte Welt von Werten  und die Geltung einer ganz bestimmten Ethik legitimiert, wenn das Leben weitergehen soll. Das aber bedeutet: die Erklärung dieser Werte zu geltenden Werten ist unabdingbarer Teil des menschlichen Handeln selbst, das sich an Zweck-Mittel-Beziehungen orientiert. Ohne die Geltung dieser Werte der Marktethik ist die Zweck-Mittel-Orientierung des Handelns selbst völlig unmöglich.

Dies impliziert natürlich, dass eben der Markt nützlich ist. Aber das Urteil, dass der Markt unverzichtbar ist, ist nicht etwa auf ein Nutzenurteil zurückführbar. Ob man sich an die Marktethik hält oder nicht, kann nicht auf ein Nützlichkeitsurteil zurückgeführt werde. Dann würden nämlich alle ganz willkürlich die Marktethik erfüllen oder nicht, wodurch der Markt selbst wieder in ein Chaos münden müsste. Die Marktethik, wie alle Ethik, kann nur ihre Funktion erfüllen und den Markt stabilisieren, wenn sie nicht einfach einem willkürlichen Nutzenurteil unterliegt, Ihre Normen müssen also Gültigkeit haben über ein solches Nutzenkriterium hinaus. Sie müssen effektiv Werte sein, die zu erfüllen sind, auch wenn sie unter dem Nutzenkalkül betrachtet stören, oder unangenehm oder auch aus irgendeinem sonstigen Grunde absolut negativ beurteilt werden.  Dies ist nur anders in dem Fall, in dem die absolute Normerfüllung das Leben eines Marktteilnehmers bedroht, sodass die Norm suspendiert werden muss (etwa im Falle von unbezahlbaren Schulden). Jede Ethik hat immer auch ein Element von dem, was Max Weber die Gesinnungsethik nennt. Sie muss über das Eigeninteresse hinaus gültig sein, obwohl es immer auch Gründe geben muss, um die Ethik selbst zu suspendieren. In diesem Sinne ist diese Begründung von Werten eben ein conatus im Sinne von Spinoza. Er ist einfach da und zwingt sich auf. Auf diese Weise ergeben sich bestimmte Ethiken und Werte ganz einfach aus Sachurteilen, und die Option für diese Werte ist die andere Seite von Zweck-Mittel-Beziehungen, die auf der Grundlage von Leben-Tod-Urteile entwickelt werden.

Daraus folgt, dass Max Weber selbst aus Sachurteilen Werte und Ethiken ableitet, obwohl er doch eine solche Ableitung abgelehnt hatte und sie aus seiner Methodologie verbannt.

Was hier gezeigt wurde für den Markt und die Marktethik, gilt für alle unversalen Institutionen, also auch für den Staat und für das, was Max Weber die Ethik der Bürokratie nennt.

Die Ableitung von Werten aus Sachurteilen ist folglich möglich, obwohl es natürlich Werte gibt, die auf diese Weise nicht oder nur indirekt ableitbar sind, wie etwa das Verbot, Schweinefleisch zu essen, das in einigen Religionen gilt.

Die Leben-Tod-Urteile in anderen klassischen Autoren

Das Verbot der Ableitung von Werten aus Sachurteilen, wie es von Max Weber gefordert wird, ist sehr willkürlich und hat wohl eher den Zweck, das absolute Marktkalkül durchzusetzen und dafür alle Werte und Ethiken zu relativieren.  In der Geschichte des menschlichen Denkens ist diese Ableitung sehr allgemein, und ich will nur einige Beispiele nennen.

So antwortet Platon auf die Kritik eines griechischen Sophisten, der gemäß es immer vernünftiger und erfolgreicher ist, keine Ethik zu haben, dass dies falsch ist, weil man dann ja kaum noch handeln kann. Selbst eine Räuberbande braucht die Ethik einer Räuberbande, die eine ganz normale Ethik ist. Aber sie wendet diese Ethik nur im Innenverhältnis an, nicht nach außen. Nur deshalb. weil sie diese Ethik in diesem Sinne befolgt, kann sie als Räuberbande Erfolg haben. Die Räuber einer Räuberbande dürfen sich untereinander weder berauben noch töten, damit sie nach außen effizient  rauben und töten können.

Auch Adam Smith übernimmt diese Vorstellung von der Ethik der Räuberbande.

Selbst Kant sagt, dass seine Ethik des kategorischen Imperativs selbst in einer Republik von Teufeln notwendig ist. Er sagt dies in seinem Buch Zum ewigen Frieden. Es ist die kantsche Art sich das Argument von Platon über die Ethik der Räuberbande zu eigen zu machen. Aber es gibt sehr viel mehr Beispiele. Max Weber aber nimmt sie nicht einmal zur Kenntnis. Und wenn er dann, wie gezeigt, eben dieses Argument selbst benutzt, diskutiert er es nicht und lässt es so bald wie möglich wieder verschwinden.

Wenn wir eine kritische Theorie wollen, so müssen wir gerade diese Ableitung der Ethik aus Zweck-Mittel-Urteilen wieder zurückgewinnen. Dies ist offensichtlich auch für das marxsche Denken nötig. Solche Begriffe wie die Ausbeutung, der Mehrwert und die Arbeitswertlehre haben andernfalls überhaupt keinen Sinn. Sie wurden unverständlich gemacht durch die neue Auffassung der Sozialwissenschaften, wie sie Max Weber vertrat. Als Ergebnis haben sich sogar häufig marxistische Theoretiker von den zentralen marxschen Begriffen  distanziert.

Aber damit ist klar, dass die Ethikdiskussion und die Diskussion der Werte Teil der Sozialwissenschaft ist und sein muss. Diese Diskussionen müssen die Geltung von Ethiken und Werten diskutieren, nicht nur die Beobachtungen von Ethiken und Werten, die als Beobachtungen nicht „bewertet“ werden können. Dies gilt, obwohl nicht alle Ethiken und Werte auf diese Weise bewertet werden können. Es gibt eben lebensnotwendige Ethiken und Werte, die man durch Argumente als gültig behaupten kann, und solche, die nicht lebensnotwendig sind. Letztere sind nicht durch Argumente als Notwendigkeit vertretbar. Dabei ist besonders interessant, dass zu einem Ergebnis in dieser Richtung sogar Kant kommt. Dies ist besonders wichtig einem Denker wie Max Weber gegenüber, der sich als Neu-Kantianer fühlt.

Die Kritik des Kapitalismus bei Marx und die Leben-Tod-Urteile

Marx operiert viel mit Leben-Tod-Urteilen. Ich will nur noch ein Beispiel erwähnen. Es handelt sich um folgendes Urteil von Marx:

„Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter." (Karl Marx, Das Kapital, I, MEW, 23, S. 529/530.)

Dies sagt Marx im Jahre 1867.

Was Marx hier sagt, ist, dass eine immer weitergehende Entfesselung der kapitalistischen unkontrollierten Wirtschaft zum Selbstmord der Menschheit führt. Wir sind heute dabei, zu dieser kapitalistischen Willkür zurückzukehren und sehen uns einer tödlichen Tendenz gegenüber. Natürlich, der Selbstmord, um den es sich dreht, ist ein Akt, der nicht intentional, also nicht beabsichtigt ist. Indem man ihn vorantreibt, stellt man sich vor, dass es vielleicht gut geht. Aber man sieht die Möglichkeit und die Drohung diese Selbstmords, der als solcher nicht gewollt ist. Aber er wird voran getrieben und zumindest ahnt man, dass man ihn vorantreibt. Aber er ist nicht etwa ein bewusstes Ziel, sondern er ist die unvermeidliche Konsequenz dessen, was man tut..

Dies führt dann zur Mystik des Todes, die sich ja schon das ganze XX. Jahrhundert hindurch gegenwärtig macht. Das begann mit Nietzsche und seinem: Gott ist tot. In Wirklichkeit bedeutete dies, dass nicht Gott tot ist, sondern dass der Tod zum alles beherrschenden Gott geworden ist. Die spanischen Faschisten schrien dies offen heraus: Viva la muerte! Es lebe der Tod! Und Heidegger definierte den Menschen als „Sein zum Tode“. Eine ganz ähnliche Position nehmen die apokalyptischen christlichen Fundamentalisten und die Anhänger des Prosperity-Gospel in der Gegenwart ein, die sich in den USA entwickelten und dann in der ganzen Welt ausbreiteten. Aber eine ganz ähnliche Position nimmt heute der Neoliberalismus mit seiner absoluten Negation der Menschenrechte ein.[2]

Die Kultur des Todes

Es handelt sich um eine Kultur des Todes, die in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts entsteht und sich dann im XX. Jahrhundert zu einer der heutigen herrschenden Kulturen entwickelt hat.

Der italienische Philosoph Agamben sagte 2012 in einem Interview:

„Gott ist nicht tot! Gott hat sich in Geld verwandelt.“[3]

Mir scheint dies sehr treffend, obwohl ich glaube, dass man darüber noch hinausgehen muss. Wenn das Geld Gott wird, wird eben zuerst einmal das kommen, was zuerst Hegel und dann Nietzsche sagten: Gott ist tot. Aber der Gott, der tot ist, ist eben der Gott, von dem Nietzsche sagte, es handele sich um den moralischen Gott. Das aber ist der Gott, in dessen Namen der Wille zur Macht geleugnet wird. Denn der Wille zur Macht ist der Wille, der begrenzt werden muss, wenn die Menschheit weiterleben soll. Diese Begrenzung aber heißt, das Leben über den Willen zur Macht zu stellen, damit das Leben zum Kriterium des Willens zur Macht wird.

So kann dann Nietzsche sagen:

„Im Grunde ist ja nur der moralische Gott überwunden.“[4]

Nietzsche seinen Willen zur Macht im Konflikt mit jedem Typ von Moral. Der Grund ist, das der Wille zur Macht und die Moral in einem ständigen Konflikt sind, wenn der Wille zur Macht die höchste Instanz für alle rationalen Entscheidungen sein soll, wie Nietzsche es sich vorstellt. Denn die Begrenzung und Kanalisation des Willens zur Macht kann eben nur im Namen der Moral erfolgen und sie ist notwendig im Namen der Überlebensmöglichkeit des menschlichen Lebens.  Diese Begrenzung muss das menschliche Leben über den Willen zur Macht stellen, damit das menschliche leben selbst das Kriterium über den Willen zur Macht sein kann.

Da der Markt und das Geld die zentralen Bereiche der Entscheidungen des Willens zur Macht sind, stößt die Vergöttlichung des Geldes mit der Lebensmöglichkeit des Menschen zusammen. Wenn das Geld Gott ist, ist der Geldkalkül – der der Kalkül des Willens zur Macht ist – der sicherste Weg für den kollektiven Selbstmord der Menschheit. Der Weg zu diesem Selbstmord wird durch die Zerstörung der Natur wie auch der sozialen Beziehungen vorgegeben. Er ist die unvermeidliche Konsequenz der Reduktion aller menschlichen Aktivität auf den Menschen als  „Humankapital“.

Nietzsche ist sich vieler dieser Konsequenzen durchaus bewusst, obwohl er noch kein klares Bewusstsein hat  davon, dass es jetzt um den kollektiven Selbstmord der Menschheit geht. Er glaubt, dass es sich jetzt um den kollektiven Selbstmord der „Schlechtweggekommenen“, den Nietzsche ganz offen propagiert:

Gesetzt, dass der Glaube an diese Moral zugrunde geht,so würden die Schlechtweggekommenen ihren Trost nicht mehr haben - und zugrunde gehn."[5]

Hieraus folgt, dass, indem sich Gott in Geld verwandelt, das Geld sich in die Gegenwart des Todes verwandelt. Daraus folgt dann, obwohl Nietzsche es noch nicht offen sagt: Der Tod ist Gott. In Wirklichkeit müsste Agamben sagen: Gott ist nicht tot! Der Tod ist Gott.

Das Problem der Schlechtweggekommenen ist damit erledigt, denn sie überleben nicht mehr. Sie entdecken  die Atraktivität des Todes:

"Nihilismus, als Symptom davon, daß die Schlechtweggekommenen keinen Trost mehr haben: daß sie zerstören, um zerstört zu werden, daß sie, von der Moral abgelöst, keinen Grund mehr haben, 'sich zu ergeben' - daß sie sich auf den Boden des entgegengesetzten Prinzips stellen und auch ihrerseits Macht wollen, indem sie die Mächtigen zwingen, ihre Henker zu sein.[6]

Was Nietzsche eben nicht erkennt, ist, dass die Mächtigen, wenn sie sich in die Henker verwandeln (sowohl der Schlechtweggekommenen wie auch der Natur) eben gerade dadurch ihren eigenen Selbstmord verwirklichen. Das ist wie der römische Kaiser Caligula, der davon träumte, allen anderen Menschen die Gurgel durchzuschneiden. Würde er es tun , ist sein eigener Selbstmord das Ergebnis.  Heute gibt es so etwas wir eine Krankheit, die diese Todesmystik unserer Zeit gut symbolisieren kann.  Es handelt sich um  die Mord-Selbstmord-Kombination, die sich seit den 80er Jahren entwickelt hat.  Es ist eine Beziehung, in der der Mörder mordet, aber während oder nach diesem Mord Selbstmord begeht. Als Massenphänomen begann es mit dem grossen Mord-Selbstmord in den Guayanas im Jahre 1978, in dem mehr als 900 Personen aus de USA in einem ganz generellen Mord-Selbstmord sich ermordeten, sei es als Mord eines anderen oder sei es als Selbstmord. Diese Mord-Selbstmord-Feiern konzentrierten sich zuerst in den USA und Europa, weiteten sich dann aber über die ganze Welt aus. Innerhalb der 90er Jahre wurden sie Teil der Kriege im Nahen Osten, aber  gleichzeitig tauchten sie in dem Verhältnis von Mann und Frau in der ganzen Welt auf. Der Mann ermordet seine Frau, vielfach auch die Kinder, und dann sich selbst. Das alles sind Massenphänomene, die ständig weitergeführt werden.

Es ist wie ein archaisches Theater in dem gezeigt wird, wie heute die Weltpolitik und die Strategie der Globalisierung die Strategie eines Weltendes zu sein scheint.

Als Neoliberaler, schreibt sich selbst Greenspan, der langjährige Präsident der Zentralbank (Federal Reserve) der USA in diese Tendenz ein. Naomi Klein zitiert ihn:

Eine klare Absicht und Rationalität erreichen es, glücklich zu sein und sich zu verwirklichen’, schrieb Greenspan als begeisterter neuer Konvertit.  ‚Die Parasiten hingegen, indem sie ständig jede klare Absicht oder Vernunft vermeiden, gehen zugrunde, so wie sie es verdienen...’“[7]

Eben diese Konzentration in den Tod haben wir dann eben auch in den faschistischen Bewegungen erlebt. Die spanischen Faschisten drückten dies durch den Ruf aus: Viva la muerte, es lebe der Tod. Heidegger in seinem Buch „Sein und Zeit“ sieht den Menschen als „Sein zum Tode“. Es ist seine Art zu sagen: Es lebe der Tod. Eine ganz ähnliche Position nehmen die apokalyptischen christlichen Fundamentalisten in der Gegenwart ein, die sich in den USA entwickelten und dann in der ganzen Welt ausbreiteten. Mit dieser Definition des Menschen als „Sein zum Tode“ muss Heidegger dann natürlich besonders begründen,  warum er nicht einfach schlechtweg zum Selbstmord aufruft. Heidegger antwortet darauf:

"Das fragliche Sein zum Tode kann offenbar nicht den Charakter des besorgenden Aus-seins auf seine Verwirklichung haben. Einmal ist der Tod als Mögliches kein mögliches Zuhandenes oder Vorhandenes, sondern eine Seinsmöglichkeit des Daseins. Sodann aber müßte das Besorgen der Verwirklichung dieses Möglichen eine Herbeiführung des Ablebens bedeuten. Damit entzöge sich aber das Dasein gerade den Boden für ein existierendes Sein zum Tode."  Heidegger, Martin: Sein und Zeit. Tübingen, 1986. S.261

Für Heidegger ist das Leben selbst nur ein Sein zum Tode, das eben nur sein kann, solange es lebt. Heidegger stellt dies einfach als eine Erkl;ärung vor, die das zeigt, was die Wirklichkeit ist. Auf beschreibende Art kommt er daher zum Schrei: Viva la muerte. Es lebe der Tod, der der agressive Schrei eines Kriegsaktes ist. Der Mensch als Sein zum Tode lebt eben den Tod und sonst nichts. Das alles im esoterischen Sprechstil von Heidegger.

Aber das Dasein braucht einen Boden, den Heidegger den Boden für ein existierendes Sein zum Tode nennt. Er sagt aber nichts weiter über diesen Boden. Tatsächlich ist der Boden für dieses Sein zum Tode  das Leben.

Soweit ich sehe, benutzt Heidegger überhaupt nicht das Wort „Leben“ im Zusammenhang mit der Diskussion des Seins zum Tode. Er nennt das Leben stattdessen den „Boden“ für ein existierendes Sein zum Tode. Er will nicht sagen, dass dem Tode das Leben gegenüber steht und dieses Leben der Ausgangspunkt sein muss, damit das Sein zum Tode existiert.  Das Leben gibt also dem Sein zum Tode die Existenz. Würde er das sagen, ist seine Philosolpie zu Ende, nachdem sie gerade angefangen hat. Er will den Tod als Zentrum, und er versteckt den Widerspruch.

Das ist dann das Leben: ein Sein zum Tode, das sich nur entwickeln kann, solange es am Leben bleibt. Es handelt sich um den Gegenpol zum Marxschen Begriffs des Kommunismus, den wir bereits zitiert haben. Die implizite Definition des Menschen bei Marx ist in dieser Kommunismusdefinition enthalten. Es ist der Mensch als Sein zum Leben, das vom Tod durchzogen ist , aber sich diesem Tod ständig entgegenstellt.  Heidegger sieht dies durchaus, er gibt aber eine etwas verlorene Antwort.

Das Kommunismusbild von Marx ist die Anwesenheit einer Abwesenheit. Dass der Kommunismus nicht anwesend ist, wird als seine Abwesenheit gegenwärtig. Nicht der Kommunismus ist anwesend, anwesend ist seine Abwesenheit. Er ist keine Illusion, jedenfalls keine beliebige. Die Probleme, die wir erleben, werden als gelöst gedacht und vorgestellt und ihre perfekte Lösung stellt dann eine Abwesenheit dar, die sich anwesend macht. Das hängt natürlich mit dem Utopischen zusammen, gilt aber nicht generell für alle Utopien. Es sind Vorstellungen eines perfekten Zusammenlebens, die ausgehen von der Analyse des normalen problematischen Zusammenleben und es dann als perfektes Zusammenleben darstellen. Dass die Abwesenheit etwa des Kommunismus anwesend ist, stellt daher das Ergebnis einer Analyse unserer Wirklichkeit da. Hierauf besteht Marx zu Recht.  Er weigert sich daher, in Bezug auf den Kommunismus von einer Utopie zu sprechen.

Dieser Kommunismus ist mit  dem  Reich Gottes der christlichen Tradition vergleichbar, das ebenfalls eine solche Abwesenheit definiert.  So etwa bei Paulus im Römerbrief 8, 18-24, aber ebenfalls bei Jesaias ( Jesaias 61, 1–3).

Hier ist es das perfekte Zusammenleben, das vorgestellt wird.  Jeweils muss man sich klar sein, dass das keine Illusionen sind, sondern das Ergebnis von Analysen von Situationen, die dann als perfekte Lösung dargestellt wird. Dies ist durchaus notwendig und geschieht heute in fast allen empirischen Wissenschaften, so wie etwa in den Wirtschaftswissenschaften die Vorstellung der „vollkommenen Konkurrenz“. Aber hier ist die Abwesenheit nicht die eines perfekten Zusammenlebens, sondern die von perfekten Institutionen (und Gesetzen). In der Physik die Vorstellungen von perfekter physischer Bewegung, etwa im Trägheitsgesetz. Das sind auch keine beliebigen Konstruktionen,  sondern das Ergebnis von Analysen der Wirklichkeit und sie sind ganz gleich  nicht verwirklichbar.

Ähnliches in den Entwicklungen der mythischen Vernunft. Wir springen immer und notwendig zu solchen perfekten Konstruktionen über. Aber wir dürfen sie nicht zum Ziele machen. Der Versuch es zu tun, mündet notwendig in das ein, was Hegel die schlechte Unendlichkeit nennt. Sie können aber Kriterien geben und dazu brauchen wir sie. Wir können solche Begriffe des Unmöglichen transzendentale Begriffe nennen, die sich in transzendentale Illusionen verwandeln, wenn wir sie als zu verwirklichende Ziele auffassen.

Heidegger geht auf diese Reflektionen über das Leben und das Zusammenleben nicht ein. Er gibt hierauf eine völlig  verlorene Antwort:

"Zu kurz trägt der Blick, wenn 'das Leben' zum Problem gemacht und dann auch gelegentlich der Tod berücksichtigt wird." 316

Dies ist alles sehr problematisch. Wenn der Mensch wie bei Marx ein Sein zum Leben ist, gilt immer auch, dass dieses Sein vom Tod durchzogen ist. Das gilt nicht nur „gelegentlich“, wie dies Heidegger behauptet. Das Leben ist sterblich, aber das heißt, es steht ständig dem Tod gegenüber. Was der Mensch lebt, ist nicht der Tod, sondern die Sterblichkeit des Lebens, das sich dem Tod gegenüberstellt. Der Mensch kann sich nicht auf die Seite des Todes stellen, er kann sich nur eine solche Illusion erzeugen.

Ganz ähnlich versucht Heidegger, dem Tod etwas Einmaliges zuzusprechen: 

"Keiner kann dem Anderen sein Sterben abnehmen... Das Sterben muß jedes Dasein jeweilig selbst auf sich nehmen. Der Tod ist, sofern er 'ist', wesensmäßig je der meine... Am Sterben zeigt sich, daß der Tod ontologisch durch Jemeinigkeit und Existenz konstituiert wird." 240

Sicher, aber ebenso gilt, dass keiner dem andern das Leben abnehmen kann.  Wenn er Hunger hat, kann ihm keiner das Essen abnehmen, denn er kann nicht sattwerden dadurch, dass ein anderer isst. Wir sind immer wir selber, aber vor allem als Leben sind wir es. Wir leben das jeweils unsrige Leben. Und deshalb sind wir es auch beim Sterben. Wir leben das jeweils unsrige Sterben. Den Tod hingegen erleben wir nicht. Er kann deshalb auch keine Jemeinigkeit anzeigen.

Aber dies, dass ich das Leben immer als jeweils mein Leben lebe, führt zum: Ich bin, wenn du bist. Aber Heidegger reduziert dies „Jeweils mein“ auf den Tod. Ich lebe jeweils mein Sterben, andere können es sogar begleiten. Während ich mein Leben zusammen mit anderen Lebenden leben kann, kann dies nicht mit dem Tod so sein. Da der Tod nicht lebt, kann er nicht die Basis eines Zusammenlebens sein. Deshalb ist der Tod auch nicht der jemeinige. Nur das Sterben kann jemeinig sein. Das Sterben gibt es, den Tod aber gibt es nicht. Aber das Sterben können andere durchaus begleiten.

Die Kultur des Lebens

Wenn Marx in dem vorher gegebenen Zitat die Tendenz zur Untergrabung unserer Lebenswelt   als Folge der Untergrabung der “Springquellen alles Reichtums”, die  die Erde und der Arbeiter sind, aufzeigt, so fällt Marx ein

ein ganz klares Leben-Tod-Urteil, das ein ebenso klares Sachurteil ist und das einen Wert herausstellt. Dies ist der Wert des menschlichen Lebens. Wird er vernachlässigt, ergibt sich der kollektive Selbstmord der Menschheit als einzige Lösung, die eben gar keine Lösung ist. Es zeigt sich, dass das typische Leben-Tod-Urteil  als Alternative zur aufgezeigten Dimension des Handelns in bestimmten Situationen nur den Selbstmord lässt, der aber eben keine Alternative ist. Folglich wird eine Situation abgeleitet, die eben daraus folgt, dass die einzige Alternative zu dem was geschieht nur der Selbstmord ist.  Das ist wie die Alternative des Räuberhauptmanns: Das Geld oder das Leben! Sie stellt ebenfalls ein Leben-Tod-Urteil dar, das ist: das Geld oder der Tod. Den Tod zu wählen, ist keine mögliche rationale Wahl, es wäre Selbstmord. Daher folgt: es gibt keine Alternative. Das Geld ist weg. Aber es bleibt, dass das Leben ein unendlich größerer Wert als irgendwelches Geld und es ist ein Sachurteil, das dies sichtbar macht.

Daher geht es jetzt darum, im Namen dieses menschlichen Lebens als oberstem Wert eine andere, nicht selbstmörderische Alternative aufzuzeigen und zu verfolgen.

Diese Leben-Tod-Urteile sind außerordentlich gegenwärtig in unserer Sprache, obwohl sie gleichzeitig kaum erwähnt oder analysiert werden. Aber auf Gebieten, wo man sie nicht erwartet, ergeben sie sich plötzlich und erwecken unsere Aufmerksamkeit.  Ich ging vor ziemlich langer Zeit einmal in eine kleine Bar in der Nähe meiner Wohnung. um einen Wein zu trinken. Ich traf dort einen Mann, der Arbeiter war und mit dem ich ins Gespräch kam, ein Gespräch das lange dauerte. Schließlich sagte er: Ich habe Lust, mir eine Kugel in den Kopf zu schießen, um das wenige zu sparen, was ich noch habe. Natürlich hatte er nicht die Absicht, Selbstmord zu begehen. Ihm fiel als Argument im Gespräch dieses Leben-Tod-Urteil ein, das in ein Paradox einmündet, das dann sehr gut das Wesen solcher Urteile spiegelt. Dies ist das Paradox der Leben-Tod-Urteile, das dem Paradox  de Kreters – ein Kreter sagt, dass alle Kreter lügen  - entspricht, das ein Paradox darstellt, das sich von  einer instrumentalen Sprache aus ergibt und daher den Zweck-Mittel-Urteilen entspricht. Natürlich gibt es für dieses Paradox eine Lösung. Diese Lösung muss davon ausgehen, dass ein Toter keine Rechte hat und folglich auch kein Eigentum und solange er lebt, kann er nur davon sprechen, was er ist, wenn er tot ist: er ist nichts. Man sieht dann, dass auch für dieses paradoxe Leben-Tod-Urteil es keine Alternative gibt, die nicht Selbstmord wäre.

Ich glaube, dass eine tiefgehende Analyse dieser Leben-Tod-Urteile sich in den Analysen von Spinoza findet.  Sein Konzept des conatus ist das Konzept des menschlichen Lebens als höchstem Wert, das alle Aktionen begleitet und begleiten muss, die auf Zweck-Mittel-Urteilen beruhen, damit sie in ihren Konsequenzen  nicht den Aktor selbst zerstören. Das Beispiel des Marktes, der, wenn er ohne Regulierungen vor sich geht, zum kollektiven Selbstmord der Menschheit führt, ist nur eines der möglichen Beispiele.

Wir können jetzt sehen, wie die Konzeption von Marx sich vervollständigen lässt. Marx sieht den verwilderten Kapitalismus als einen sicheren Weg zum kollektiven Selbstmord der Menschheit. Es handelt sich um ein Urteil, dass heute wahrscheinlich von der Mehrheit der gegenwärtigen Menschheit geteilt wird. Marx zieht daraus eine Konsequenz: wir müssen eine alternative entwickeln und verwirklichen zu diesem sozialen System, die eine Alternative sein muss, die ein menschliches leben ohne die Drohung  eines kollektiven Selbstmords und dem daraus folgenden Tod der Menschheit sichert.

Allerdings lässt Marx ein Problem ungelösst, wenn er versucht, solch eine Alternative zu begründen. Die bereits zitierte Kritik Max Webers zeigt dieses Problem. Marx stellt als Alternative eine kommunistische Gesellschaft vor, die tatsächlich das Konzept einer perfekten Gesellschaft mit perfekten sozialen Beziehungen vor, die eben keine empirisch mögliche Gesellschaft ist. Es handelt sich um eine unmögliche Alternative, die eben keine gültige Alternative sein kann. Aber wir können natürlich nicht auf das Konzept einer Alternative verzichten,  da der verwilderte Kapitalismus keine Gesellschaft ist, die im Zeitablauf beständig ist. Es genügt daher nicht die Bereitschaft, in dieser Gesellschaft einfach trotz aller Probleme weiter zu leben, denn je mehr wir diese Gesellschaft im Zeitablauf ertragen, je näher ist der Zusammenbruch aller menschlichen Gesellschaft.

Aber die von Marx vorgestellte Lösung ist insofern nicht möglich, als sie ein perfekte Lösung ist. Und wir haben gesehen, dass diese Perfektion eine sozialistische alternative Gesellschaft konzipierte, die eine Gesellschaft ohne Warenbeziehungen und ohne Staat ist. Heute wird die nötige Alternative in den entsprechenden Volksbewegungen anders gedacht und ich glaube, dass dies notwendig ist. Heute wird die alternative Gesellschaft als eine Gesellschaft vorgestellt, die weiterhin auf Warenbeziehungen und staatlichen Strukturen beruht. Aber man schlägt jetzt eine alternative Gesellschaft vor, die einen Markt mit ganz systematischen und dauerhaften Interventionen  vorschlägt und auch verwirklicht. Die Demokratisierung  der Wirtschaft wird jetzt vor allem  als systematische Intervention in den Markt vorgestellt. Es handelt sich um Interventionen, die eben den ständigen Bedrohungen durch die Tendenzen zum kollektiven Selbstmord  entgegentreten. Dies ist auch nötig, weil in unserer Gegenwart die Staaten der liberalen Demokratie dabei sind, den Staat selbst an die Herrscher des Kapitals zu verkaufen und diese Staaten sind in ihrer Mehrheit bereits faktisch verkauft. Es ist nötig, die Souveränität des demokratischen Staates zurückzugewinnen, aber dies ist ganz offensichtlich nicht möglich ohne eine systematische Intervention der Märkte. Dies ist allerdings keineswegs ein Grund für eine selbstverständliche Abwendung vom Kommunismuskonzept von Marx. Aber es muss jetzt anerkannt werden als die Vorstellung einer perfekten und daher unmöglichen Welt. Es verwandelt sich dann  in eine Referenz für die Vorstellung für die Richtung der zu verwirklichenden alternativen Interventionen in den Markt. Aber sie kann nicht mehr als Ziel einer alternativen Gesellschaft behandelt werden. Sie wird zu etwas, das wir als transzendentalen Begriff bezeichnen können, von dem aus Sinn und Werte des Handelns entwickelt werden können.

Es ist sehr interessant, wie Polanye diese notwendige Intervention in den Markt darlegt. Polanye geht davon aus, dass die Kanalisierung  des Marktes (er benutzt das Wort „embedding“) drei große Sphären der Wirtschaft dem Markt gegenüber abgeschottet werden müssen. Es handelt sich um: die Politik der Löhne und Einkommen, die Verteilung  und der Zugang zu Gebrauch der Erde zwischen Personen und Institutionen (auch Unternehmungen) und die Finanzpolitik insgesamt um ihrer Tendenz zu begegnen, die Warenproduktion und das menschliche Leben selbst alles den Finanzkalkülen des Bankensystems zu unterwerfen. Er kommt ebenfalls zur These, dass der nicht regulierte Markt zur Zerstörung der Lebensmöglichkeiten führt.[8]

Es ist notwendig daran zu erinnern, dass diese Suche von Alternativen nicht das ist, was Max Weber Werturteile nennnt, die wissenschaftlich nicht argumentierbar sind. Ganz im Gegenteil, es handelt sich um eine Notwendigkeit, wenn wir als Menschheit nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Kinder und die Kinder unserer Kinder überleben wollen.

Der Humanismus der Praxis

Wir stellen daher die Forderung nach einer Alternative, ohne die möglicherweise das menschliche leben nicht einmal über das Jahrhundert hinaus existieren wir, in dem wir leben. Eine solche Alternative zu suchen, ist nicht einfach etwas, das zu tuen sehr schön wäre und ist ebenfalls nicht eine Folge der Forderung nach einem besseren menschlichen Leben. Die Suche nach der Alternative, die wir fordern, ist  zwingend. Sollten wir sie nicht finden oder nicht verwirklichen, sind die Katastrophen vorhersehbar, die wir produzieren werden. Entweder finden wir eine Alternative oder es gibt keine menschliche Gesellschaft mehr. Das was uns bedroht ist der Tod selbst unserer eigenen menschlichen Geschichte.  Das was wir jetzt erleben, müssen wir durch eine andere Gesellschaft ersetzen, und wir können hoffen, dass es  eine bessere und menschlichere Gesellschaft sein wird. Aber ohne diese Alternative wird es kein menschliches Leben mehr geben und diese Alternative muss gleichzeitig eine Alternative zum Neoliberalismus sein, wie uns  seit dem Jahre 1980 mit der Regierung Reagan aufgezwungen wurde. Man hat erklärt, dass der Neoliberalismus die Alternative sei und man  hat ganz bewusst eine Politik aufgezwungen, die uns unmöglich macht, eine Alternative zu entwickeln zu diesem verwilderten Kapitalismus der uns alle bedroht. Immer mehr werden wir uns bewusst, dass es kein zukünftiges menschliches Leben geben wird, wenn ohne eine solche Alternative, die die Alternative eines Humanismus der Praxis sein muss, die alle Markttätigkeiten durch das Kriterium eines möglichen menschlichen Lebens jenseits des heutigen verwilderten Kapitalismus integrieren muss. Heute konzipieren wir diese alternative Gesellschaft als eine Marktwirtschaft, die durch eine systematische Intervention der Märkte unter dem Kriterium eines menschenwürdigen Lebens für alle und ebenfalls für die Natur. Denn die dem Menschen externe Natur ist der erweiterte Körper des Menschen und muss als solcher angesehen werden. Dies ist das Kriterium des Humanismus der Praxis.

Wer sind die falschen Götter?

Man kann heute keine Ideologiekritik machen, ohne gleichzeitig die Religionskritik weiterzuführen.  Dazu braucht man das Konzept einer falschen Religion oder von falschen Göttern. Aber wenn man das braucht, braucht man auch die Vorstellung von einer Religion, die keine falsche Religion ist. Hat man dies nicht, muss die Religionskritik wieder  in die Ankündigung eines Absterbens oder sogar einer Abschaffung der Religion einmünden. Das aber hat nach den Erfahrungen der Vergangenheit des Sozialismus überhaupt keinen Sinn mehr.

Aber es gilt: eine falsche Religion ist diejenige, die Menschenopfer fordert. Dies ist das gleiche wie: eine falsche Religion ist eine Religion, für die der Mensch nicht das höchste Wesen für den Menschen ist. Eine Religion, für die der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist, ist keine falsche Religion. Aber sie ist deshalb auch nicht die „wahre“ Religion. Eine wahre Religion gibt es nicht und kann es auch nicht geben. Heute kann dies auch ein marxistischer Denker nicht mehr ablehnen, denn nur so kann man noch Atheist sein. Atheist sein schliesst nicht ein, keine Kriterium für falsche oder nicht falsche Religion zu haben. Aber ob eine Religion eine falsche Religion ist oder nicht, kann eine Diskussion nur beantworten, wenn sie von einem Wahrheitskriterium für falsche  oder nicht-falsche Götter ausgehen. Eine wahre Religion kann bestenfalls ein Gläubiger einer der Religionen vertreten und kann dies auf durchaus legitime Weise tun.  Aber niemals darf dies an die Stelle des objektiven Kriteriums für falsche und nicht falsche Religionen treten. Dieses objektive Kriterium ist in diesem Sinne das Wahrheitskriterium für Religionen, aber auch für Atheismen. Damit eben kann es das notwendige Kriterium für eine sozialwissenschaftliche Analyse sein. Dies zeigt dann auch, dass der Atheismus ein wichtiger Partner für diese Religionskritik ist, die ein zentrales Element jeder Ideologiekritik heute ist.

Tatsächlich hat der humanistische Atheismus von Marx die wirkliche Religionskritik gemacht. Er hat die irdischen Götter in den Mittelpunkt gestellt (das hatte Feuerbach noch nicht getan) und hatte dies auf seiner Forderung gegründet, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist. Die irdischen Götter, um die es sich handelte, waren insbesondere der Markt, das Geld und das Kapital, die Marx später Fetische nannte. Das Christentum in dieser Zeit hatte sich völlig auf die Positionen sei es des Mittelalters (Ultrakonservatismus) oder der Identifizierung mit der bürgerlichen Gesellschaft zurückgezogen.

Diese Konzentration von Marx auf die irdischen Götter brachte das Christentum dazu, das Reich Gottes wieder zu entdecken. Das Christentum glaubte an Gott, aber nicht an das Reich Gottes. Der Kommunismus entdeckte das Reich Gottes, aber glaubte nicht mehr an Gott. So jedenfalls drückt dies Ragaz aus.

Aber es geht jetzt nicht etwa darum, den Kommunismus durch das Reich Gottes zu ersetzen, was aufs neue  zum Religionskrieg führen müsste. Es geht darum, den Humanismus der Praxis zu entdecken und zu leben, der beiden – und vielem anderen – unterliegt. Er ist die Bedingung der menschlichen Freiheit.

 Marx sagt:

»Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks.« MEW, I, S.385[9]

Marx benutzt hier das Wort Aufhebung im Hegelschen Sinne. Aufhebung bedeutet dann hier nicht Abschaffung, sondern hat die Hegelsche Bedeutung:  Weiterführung auf einem anderen Niveau.

Daraus schließt er:

"Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist."  MEW, I, S.385

Dies kommt sowohl aus der jüdischen als auch aus der christlichen Tradition. Marx bewegt sich hier in der Tradition einer etwa drei Jahrtausende alten Idolatriekritik (die spätestens bei Isaiah beginnt), die er auf meisterhafte Weise weiterführt. Marx führt sie mit neuer Intensität fort. Bei Marx wird sie allerdings in einer profanen Sprache ausgedrückt.

Es geht um folgendes: Weder der Markt, noch das Kapital, weder der Staat, noch irgendeine andere Institution oder das Gesetz sind das höchste Wesen für den Menschen. Der Mensch selbst ist allein das höchste Wesen für den Menschen. Selbst Gott ist nicht das höchste Wesen für den Menschen als Menschen. Folglich sind all jene Götter falsche Götter, Idole, Fetische, die den Markt, das Kapital, den Staat, irgendeine Institution oder das Gesetz zum höchsten Wesen für den Menschen erklären. Nur jener  Gott kann kein falscher Gott sein, für den das höchste Wesen für den Menschen der Mensch selbst ist.

Man sieht dann, dass Marx falsche Götter kritisiert, auch wenn er dieses Wort nicht direkt benutzt. Aber was sind denn nun falsche Götter? Es sind diejenigen Götter, die den Menschen nicht als höchstes Wesen für den Menschen anerkennen. Alle Götter aber, die dies tun, sind keine falschen Götter. So kann es auch für Atheisten falsche Götter geben. Auch Atheisten können zum Ergebnis kommen, dass ein bestimmter Gott ein falscher Gott ist oder auch nicht. Ob es Götter überhaupt wirklich gibt, ist nicht die Frage.

So sagt Brecht:

„Einer fragte Herrn K., ob es einen Gott gäbe. Herr K. sagte: „Ich rate Dir, nachzudenken, ob dein Verhalten je nach der Antwort auf diese Frage sich ändern würde. Würde es sich nicht ändern, dann können wir die Frage fallenlassen. Würde es sich ändern, dann kann ich dir wenigstens noch so weit behilflich sein, dass ich dir sage, du hast dich schon entschieden: Du brauchst einen Gott.“[10]

Die Frage, ob dieser Gott falsch ist oder nicht, kann danach entschieden werden. Aber es muss, nachdem Brecht dieses gesagt hat, noch entschieden werden. Und das Kriterium von Brecht kann dann auch nur sein, ob für diesen Gott der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist oder nicht.

Brecht könnte dann sagen: „ gut und sogar am besten, wenn du diesen Gott hast, der kein falscher Gott ist.“ Die Frage, ob dieser existiert, ist völlig zweitrangig.

Ich glaube, eine solche Haltung ist in der Religionskritik von Marx impliziert. Nicht einmal Marx könnte sie auf Grund seiner Religionskritik ablehnen. Im Grunde ist das Kriterium des Menschen als höchstes Wesen für den Menschen ein Wahrheitskriterium für die Diskussion über die Götter. Alle Götter, die diesem Kriterium nicht zustimmen, sind falsche Götter. Nur Götter, die ihm zustimmen, können nicht falsche Götter sein. Natürlich muss ein solches Kriterium  mit großer Flexibilität und ohne einen starren Dogmatismus verwaltet werden. Aber es ist nötig. Nehmen wir die Prosperity-Gospel. Man verspricht dem Gläubigen, dass er, wenn er den Zehnten an den Pastor zahlt, damit das Versprechen Gottes  erhält, dies hundert mal durch Gottes Fügung zurück zu bekommen. Die ganze Beziehung zum Pastor und zu Gott ist damit auf Geld gegründet. Der Mensch spielt keine Rolle mehr, die Liebe Gottes bezahlt. Nicht nur der Markt ist Gott und das Geld, sondern alles ist Markt und Geld. Es kommt ein himmlischer Gott hinzu zum irdischen Gott des Marktes und des Geldes und verallgemeinert diesen.

Alles ist eine Erweiterung des Spielraums der unsichtbaren Hand,. von der Adam Smith spricht. Es handelt sich tatsächlich um einen magischen Schleier, der unsere Welt zudeckt und umfasst. Diesen Schleier gilt es zu durchdringen. Was uns bedroht, ist nicht ein schlechteres Leben. Was uns bedroht ist überhaupt nicht mehr leben zu können.

Worum geht es dabei? Um eine Wahrheitskriterium für die gelebte Wirklichkeit. Dieses ist: Der Mensch ist das höchste Wesen für den Menschen. Der magische Geldschleier schafft eine ganz andere Sicht und andere Entscheidungen. Er unterwirft alles dem Geld- und Gewinnkalkül. Dies führt zu falschen Göttern.

Es folgt hieraus das Wahrheitskriterium für falsche Götter. Es kann nicht einfach die Ersetzung traditioneller Götter durch neue Götter sein. Das Kriterium ist nicht theologisch, niemals steht ein „wahrer“ Gott dem falschen Gott gegenüber. Was ihm gegenübersteht, ist der Mensch und sein Leben. Dass ein Gott ein falscher Gott ist, ergibt sich daraus, dass dieser Gott nicht den Menschen als höchstes Wesen für den Menschen annimmt. Der Mensch muss seinen Gott entwickeln und damit auch seine Kultur, damit sie  zu Göttern werden, für die der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist. Götter sind entweder falsche Götter oder sie sind es nicht. Aber niemals sind sie die „wahren“ Götter, die einfach an die Stelle der falschen Götter treten können. Daher können nicht  Urteile über die Wahrheit von religiösen Dogmen entscheiden, ob ein Gott eine falscher Gott ist oder nicht. In der Eroberung Amerikas beweist gerade die Tatsache, dass man eine neue Religion aufzwang innerhalb eines gigantischen Völkermordes, dass der Gott der Eroberer ein falscher Gott war. Nur ein Gott, der den Menschen als höchstes Wesen für den Menschen akzeptiert, ist kein falscher Gott.  Es ist völlig gleichgültig, welcher Religion mit ihren Glaubenssätzen er angehört. Er kann sogar Atheist sein, und  falschen Göttern gegenüberstehen und sie anklagen. Atheist sein, ist eben auch nicht notwendig eine Garantie dafür, keinen falschen Gott zu verehren. Atheist zu sein, ist keineswegs eine Garantie dafür, keinen falschen Gott zu haben oder nicht.

Auch der Atheist kann einen falschen Gott haben, nämlich, wenn er nicht akzeptiert, das der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist. Wenn für ihn der Markt das höchste Wesen für den Menschen ist, so ist der Markt auch für ihn als Atheist ein falscher Gott. Der Atheismus ist keineswegs also solcher befreiend. Er kann es nur sein, wenn er wie bei Marx einen Humanismus der Praxis zur Grundlage hat, für den der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist.

Wichtig ist der apokalyptische Fundamentalismus. Er antwortet auf die Forderung nach einer ökologischen Politik zur Vermeidung des kollektiven Selbstmords der Menschheit. Der apokalyptische Fundamentalismus hat eine ganz einfache Antwort, der gemäß die ökologische Krise Teil der Apokalyptik und damit der Wille Gottes ist. Gott will es. Er will den Untergang der Welt, damit die Menschheit, soweit sie diesen Willen akzeptiert hat, das neue Paradies, das Gott schaffen wird, übernehmen. Der Wille Gottes ist es also, das zu tun, was Trump tut. So war es vorher der Wille Gottes, das zu tun, was Reagan tat. Danach, das, was Bush tat. Uns der ökologischen Krise – und anderen Krisen – entgegenzustellen, gilt für diesen Fundamentalismus als die Haltung des Antichristus, der Aufstand gegen Gott. Dieser wird angeblich häufig sogar von der UNO angeführt. Und viele dieser Fundamentalisten glauben, dass die Unterstützung für den Untergang der Welt die wahre Frömmigkeit ist. Dies ist gleichzeitig eine aggressive Antwort auf das, was die Befreiungstheologie war und zum Teil auch noch ist. So tut dann auch die unsichtbare Hand des Marktes diesen fundamentalistischen Willen Gottes. Man sieht dann, dass der apokalyptische Fundamentalismus ein gigantisches Projekt des kollektiven Selbstmords der Menschheit ist und insofern weitgehend mit dem Neoliberalismus übereinstimmt. Die Apokalypse – das letzte Buch der christlichen Bibel – ist das aber nicht. Die Apokalypse dieser Bibel spricht von einem Ende als Ergebnis eines göttlichen Eingriffs. Hier ist also Gott der Handelnde. Der apokalyptische Fundamentalismus hingegen spricht von einem menschlichen Eingriff, der das Ende der Menschheit bringt (sei es ein Atomkrieg, sei es eine unbegrenzte Förderung der Aktivität des Marktes zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums). Hier ist der Mensch der Handelnde, der das Ende erzeugt und der, indem er dieses Ende bringt, den Willen Gottes tut. Im ersten Fall erleidet der Mensch den Untergang. Im zweiten Fall hingegen erzeugt er den Untergang und ist daher für ihn verantwortlich, obwohl er das, was er tut, als Willen Gottes herausstellt. Deshalb ist in diesem zweiten Fall eben der Mensch nicht das höchste Wesen für den Menschen. Im ersten Fall kann er es sein.

So bilden sich Konvertiten zu dieser Religion des kollektiven Selbstmords und alles ist echt religiös

Der Mensch als höchstes Wesen für den Menschen als das Wahrheitskriterium über Religionen.

Statt sich gegenseitig zu missionieren, müssen alle Religionen daran gemessen werden, wieweit sie den Menschen als höchstes Wesen für den Menschen ansehen. Dies ist ein Kriterium, das auch zwischen Religionen herrschen muss und kann. Das kann aber nicht mit Gewalt gemacht werden, denn die Gewalt wäre ja gerade der Beweis dafür, dass der Mensch nicht als höchstes Wesen für den Menschen geachtet wird. Die Eroberung Amerikas kann als Beispiel dienen. Die Menschenopfer der Azteken zeigen, dass ihre Religion einem falschen Gott dient.  Aber die gewalttätigen Eroberer, die Hexen und Häretiker häufig vor ihren Kirchen zu tausenden lebendig verbrannten, waren der Beweis dafür, dass die Eroberer gerade nicht im Namen des Menschen als oberstem Wesen für den Menschen aufzutreten bereit waren. Es waren falsche Götter, die aufeinander trafen und jeder hätte sich gleichzeitig mit sich selbst beschäftigen müssen. Kein Gott musste ersetzt werden, aber beide Götter mussten aufhören, falsche Götter zu sein.

Diese Wirtschaft tötet. Markt, Geld und Kapital sind der dreieinige Gott dieser Wirtschaft. Diese tötet, weil das Geld vergöttert wird, ganz so, wie auch der Markt und das Kapital. Dieses Töten geschieht durch Arbeitslosigkeit, Löhne die so niedrig sind, dass man davon nicht leben kann, dadurch dass man die Natur zerstört. Die Gesamtheit dieser Krisen ist dabei, immer riesiger werdende Flüchtlingsströme zu produzieren, die mit immer mehr Grenzen zusammenstoßen und zu immer mehr Gründungen von immer schrecklicheren Konzentrationslägern führen, während es immer weniger anderen Länder gibt, die diese Flüchtlinge aufzunehmen bereit sind.

Dieses Töten folgt aus der Vergöttlichung des Marktes und des Geldes. Die Vergöttlichung ist als solche bereits die Konstituierung einer Wirtschaft – und Gesellschaft – die tötet. Töten heißt hier immer auch ausbeuten, zur Armut verdammen, der Natur ihr Leben zu nehmen. Aber es geht ganz ebenso um das Töten durch Kriege und sonstige Formen des Terrorismus. Dabei ist der Terrorismus universal. Der schlimmste Terrorismus der letzten Jahrzehnte war nicht der terroristische Angriff auf die Türme von New York. Der schlimmste Terrorismus war der Terrorismus der Musterdemokratien, der sich durch diesen terroristischen Akt legitimierte. Der terroristiche Akt kostete etwa 3000 Menschen das Leben. Der dadurch legitimierte Terrorismus dieser Musterdemokratien hat heute bereits mehr als eine Millionen Menschenleben gekostet, begleitet von Millionen von Flüchtlingen, denen diese „anti“-terroristischen Aktionen der Musterdemokratien überhaupt keine Hilfe geben, sondern vielfach als Teil des Terrorismus der andern angesehen werden, mit denen sie angeblich gar nichts zu tun haben.

 

Dieses Töten ist ganz direkt verbunden mit der Schaffung der irdischen Götter und damit der Vergöttlichung von Markt, Geld und Kapital. Eins existiert nicht ohne das andere. Immer sind es falsche Götter. Ob sie als Götter irgendeine metaphysische oder ontologische Existenz haben, ist völlig sekundär. In jedem Falle existieren sie als nicht-beabsichtigte (nicht-intentionale) Produkte des menschlichen Handelns. Aber ihre Existenz hängt nicht davon ab, dass man an sie glaubt, sondern davon, dass man im wirklichen Leben ihre Ansprüche verwirklicht. Und das ist: teilnimmt am Töten von Seiten der Wirtschaft. Und dies ist das, was der Neoliberalismus ganz extrem tut.

Was ist ein falscher Gott? Es ist ein Gott, der nicht akzeptiert, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist und daher auch nicht akzeptiert, dass es darum geht, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Aber dasselbe können wir auch anders ausdrücken. Der falsche Gott ist ein Gott, der gegen die Menschenrechte aufsteht. Es ist ein Gott, der auf der Seite der Verletzungen der Menschenrechte steht. Der auf der Seite des Krieges und der Ausbeutung des anderen steht. Es ist wohl klar, dass dieses Argument großer Vorsicht bedarf. Unsere Menschenrechtsvorstellungen sind vorläufig, ständig auch diskutierbar. Aber sie sind eben nicht willkürlich. Wir müssen uns dabei klar sein, dass die Diskussion der Menschenrechte immer auch eine Diskussion über Götter und insbesondere über falsche Götter ist. Ebenfalls müssen wir uns immer klar sein, dass diese Diskussion über falsche Götter nicht einfach theologisch ist, sondern profane Theologie ist. Deshalb ist es kein Problem, wenn der Kritiker solcher falschen Götter selbst Atheist ist. Die Diskussion ist immer auch Ideologiekritik, die nie auskommen kann ohne die Kritik falscher Götter. Diese Kritik setzt nicht die Antwort auf die Frage voraus, ob es einen Gott gibt oder nicht. Dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist, sagt eben dies: die Menschenrechte sind das Kriterium in letzter Instanz, wenn man die Göttlichkeit Gottes sucht.

Daher ist ein falscher Gott auch immer ein Gott, der die Menschenrechte ablehnt und verurteilt. Das ist dann auch ein Gott, der Menschenopfer will. Dagegen steht: alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.  Ein Gott, der dagegen ist, ist ein falscher Gott, will Menschenopfer. Er wird von Menschen verkündet, die diese Menschenopfer bringen wollen.

Brecht sagt:

„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“

Das sind die Verhältnisse, die Marx umwerfen will und die mit Hilfe von falschen Göttern aufrecht erhalten werden.

Die Menschenrechte formulieren dies als Aktionsbereich. Der Ausdruck für dieses Umwälzen aller Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, sind die Menschenrechte. Sie sind immer ein Prozess. Sie befinden sich daher in ständiger Entwicklung. Sie tuen dies dadurch, dass sie Normen formulieren. Die Menschenrechtslisten sind zwar nötig, aber sie sind immer nur vorläufig einfach deshalb, weil diese Verhältnisse sich ständig ändern und entwickeln.

Die Diskussion über diese Menschenrechte ist notwendigerweise immer auch eine Diskussion über die Götter: über falsche Götter und Götter, die nicht falsche Götter sind. Eine solche Diskussion setzt nicht den Glauben an die ontologische Existenz von Göttern oder eines solchen Gottes voraus.

Auch Atheisten können falsche Götter anklagen. Man müsste eigentlich diese Anklage gerade auch von Atheisten erwarten. Es gibt aber auch Atheisten, die auf der Seite von falschen Göttern stehen. Dies tuen sie, wenn sie den Markt als das höchste Wesen für den Menschen erklären. Der Atheismus von Marx hingegen ist als atheistischer Humanismus eine Anklage falscher Götter, nämlich der Götter, die sich der Umwälzung aller Verhältnisse im Sinne des marxschen „kategorischen Imperativs“ entgegenstellen und die sich seiner Thesis entgegenstellen, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist..

Hier geht es um etwas, das wir auch „profane Theologie“ nennen können. Diese profane Theologie ist Teil der Sozialwissenschaften und kann nicht von den theologischen Fakultäten monopolisiert werden. Heute kann eine Politik nur „links“ sein, wenn sie diese profane Theologie einschließt.

Dies gilt vor allem für eine Sozialwissenschaft, die auf das kritische Denken gegründet ist.

Dieses Kriterium der Menschenrechte und für die mögliche profane Theologie wird bei Marx dadurch ausgedrückt, dass er sagt, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen ist und dafür alle Verhältnisse im Sinne seines „kategorischen Imperativs“ umwerfen will.

Es ist allerdings gerade dieses Kriterium, das es ermöglicht, eine kritische Sozialwissenschaft zu begründen. Die kritische Frage ist immer: wieweit wird der Mensch als das höchste Wesen für den Menschen vertreten. Alles soziale Leben muss sich letztlich vor diesem Kriterium verantworten, und aus ihm immer aufs neue den kategorischen Imperativ von  Marx ableiten: alle Verhältnisse umzuwerfen, in den der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Eine solche kritische Sozialwissenschaft beruht also auf diesem Wirklichkeitsbegriff, dessen Rationalität  auf der Möglichkeit beruht, allen Menschen und der Natur das Leben zu ermöglichen. Die Sozialwissenschaft hingegen, die Max Weber konzipiert, sieht die Wirklichkeit letztlich durch Brille der doppelten Buchführung. Die Person aber, die diese Brille trägt, ist nicht mehr als  Humankapital.

Dies ist das Kriterium der Menschenrechte in letzter Instanz, die Marx als seinen kategorischen Imperativ bezeichnet. Dies ist gleichzeitig das Kriterium für falsche Götter. Man sieht dann sofort, dass es ein Kriterium der kritischen Sozialwissenschaften ist, aber deshalb der Theologie nicht fremd zu sein braucht.

Die irdischen und die himmlisch-transzendenten Götter

Darüberhinaus gibt es transzendente Götter. Marx im Prolog zu seiner Doktorarbeit spricht von irdischen und himmlischen Göttern. Die irdischen Götter sind vor allem Markt, Geld und Kapital. Die transzendenten Götter sind die Götter, die Marx die himmlischen Götter nennt. Sie sind andere Götter als die irdischen. Schon Feuerbach sagt von diesen transzendenten Göttern, dass sie nicht nur unsichtbar sind, sondern ebenfalls, dass sie nur existieren, wenn wir an sie glauben. Glaubt man nicht an sie, existieren sie nicht und damit bestimmen sie nicht den Willen dessen, der nicht an sie glaubt. Die irdischen Götter hingegen können existieren, auch wenn man nicht an sie glaubt. Der Mensch schafft sie – den Markt, den Geldgott und das Kapital –, indem er ihren Willen tut, der eben die absolute Herrschaft des Menschen über andere Menschen als Ziel eines jeden vertritt. Eben dadurch verwandelt der Mensch sie in Götter. Gewinnmaximierung wird zum Glaubensakt, Gewinnkalkül zum Gebet.

Die transzendenten Götter können natürlich die irdischen Götter segnen und ihre Göttlichkeit behaupten. So etwa bei Hobbes, bei dem die irdischen Götter ihr Zentrum haben im Leviathan als „sterblichem Gott“, aber gleichzeitig immer auf neue zu Göttern gemacht werden oder von den Toten auferweckt werden durch den transzendenten ewigen Gott, der den Leviathan auf Erden heiligt.

Die irdischen Götter werden auch heute weiterhin von transzendenten Göttern begleitet, die als himmlische Götter dann die irdischen Götter bestätigen. Der heutige US-Fundamentalismus [eschatologischer Art oder auch als Evangelium des Wohlstands (prosperity gospel)] gibt den irdischen Göttern, die der Markt, das Geld und das Kapital sind, einen ewigen transzendenten Gott zu ihrer Unterstützung. Dazu ist , wie bereits erwähnt, seit Hobbes alles ganz offen. Die irdischen Götter sind der Leviatan, als sterblicher Gott, dessen Blut das Geld ist. Die Fundamentalisten stellen einen diesen unterstützenden ewigen Gott vor, der in den Himmeln wohnt, aber den irdischen sterblichen Göttern ständig die Auferstehung sichert. Das ist bereits die Hobbessche Theologie der irdischen und der ewigen Götter.

Aber dieser ewige transzendente Gott kann auch als Gott gedacht werden, der die irdischen Götter als falsche Götter anklagt. Diese Anklage der irdischen Götter als falscher Götter ist z.B. in der marxschen Religionskritik lebendig, wenn Marx diese irdischen Götter als „Fetische“ deklariert. Das ist eine andere Form zu sagen, dass sie falsche Götter sind. Bei Marx verschwindet damit der Leviathan von Hobbes und an seine Stelle tritt der Mensch der „das höchste Wesen für den Menschen“ ist.

Dieser Mensch ist dann der Mensch, der sich dem Anspruch der irdischen Götter entzieht und eine Wirtschaft zu seinem Ziel macht, die nicht tötet. Man kann dann natürlich auch einen transzendenten Gott konzipieren, der sich auf die Seite dieses sich befreienden Menschen stellt. Es wäre dann die dem marxschen Denken angemessene Gottesvorstellung, die Marx allerdings nicht entwickelt.

So ergibt sich eine profane Theologie, die als solche keineswegs kirchlich ist. Sie kann allerdings von Kirchen übernommen werden. Aber ebenso von Atheisten, denn diese Theologie hängt keineswegs davon ab, ob man Gott als existierend oder nicht annimmt. Deshalb hat weder der Atheist Grund, sich von dieser profanen Theologie bedroht zu sehen, noch hat der religiös denkende seinen Gottesglauben als durch diese profane Theologie bedroht anzusehen.

Ich möchte zum Schluss eine kleine sehr ironische Geschichte von Anthony de Mello zitieren.[11]

Die Heiligen Schriften verbessern

Ein weiser Mann näherte sich dem Buddha

und sagte ihm: „Das was du

 unterrichtest, Herr, findet sich nicht

in den heiligen Schriften“.

„Dann setzte du es in die

Schriften ein“ antwortete Buddha

Nach einer drückenden Pause,

sagte der Mann weiterhin:

„Würden Sie  mir erlauben, Ihnen vorzuschlagen, Herr,

dass einige der Thesen die Sie

unterrichten den

Heiligen Schriften widersprechen?

„Dann verbessere du diese Schriften“,

antwortete Buddha.

In den Vereinten Nationen machte man den Vorschlag, alle heiligen Schriften aller Religionen der Welt zu revidieren. Jeder Inhalt, der zur Intoleranz, zur Grausamkeit und zum Fatalismus führen könnte, soll ausradiert werden. Alles was auf irgendeine Weise gegen die Würde oder die Wohlfahrt des Menschen verstoße, soll weggelassen werden.

Als man entdeckte, dass der Autor dieses Vorschlags Jesus Christus selbst war, rannten die Journalisten zu ihm hin, um eine ausführlichere Erläuterung zu bekommen. Und diese war sehr einfach und kurz: ‚Die heiligen Schriften, wie der Sabbat, sind für den Menschen da’ sagte er, ‚nicht der Mensch für die Heiligen Schriften’.“[12]

Vor einigen Jahren hatten wir ein Treffen über Kritik der politischen Ökonomie. Einer der Teilnehmer sagte: Man darf Marx nicht wie die Bibel lesen. Da erhob sich noch ein anderer und sagte: Auch die Bibel darf man nicht wie die Bibel lesen. Und es ergab sich sofort  eine gemeinsame Überzeugung, die sagt: Man darf Marx nicht wie die Bibel lesen, ganz ebenso, wie man nicht einmal die Bibel wie die Bibel lesen darf.

Dies ist die Synthese des Humanismus der Praxis, um den es hier geht. Sie besteht in der Bestimmung, dass alles menschliche Leben dem Kriterium der Menschlichkeit in letzter Instanz unterworfen sein muss, das ein Kriterium für alle menschliche Praxis sein muss: der Mensch ist das höchste Wesen für den Menschen. Alle Resultate des Zweck-Mittel-Kalküls sind zweitrangig in Bezug auf dieses Kriteriums des menschlichen Lebens, das das Leben eines Naturwesens ist, das  immer auch ein Kriterium über alle möglichen Interventionen in das Leben der dem Menschen externen Natur impliziert.


[1] Weber, Wirtschaft und Gesellschaft,  Studienausgabe, Mohr Tübingen, 1972 Kap. IX, Soziologie der Herrschaft. S.570

[2] Der Gründer der neoliberalen Schule, Ludwig von Mises, sagt:

“The worst of all these delusions is the idea that "nature" has bestowed upon every man certain rights. According to this doctrine nature is openhanded toward every child born…. Every word of this doctrine is false.”

(“Die schlimmste aller Formen von Irrglauben ist die Idee, dass die „Natur“ jeden Menschen mit gewissen Rechten ausgestattet hat. Nach dieser Lehre teilt die

Natur freigebig an jedes geborene Kind Rechte aus….Jedes Wort dieser Lehre ist falsch.”)

Mises, Ludwig von: The anti-capitalistic mentality. The Ludwig von Mises Institute. Auborn, Alabama, 2008. (1956) p.80/81

[3] Agamben Interview mit  Ragusa-News 16.8.2012: http://partidopirata.com.ar/2012/09/10/dios-no-murio-se-transformo-en-dinero-entrevista-a-giorgio-agamben/ http://www.ragusanews.com/articolo/28021/giorgio-agamben-intervista-a-peppe-sava-amo-scicli-e-guccione /

[4] Aus dem Nachlass III,853

[5] Nietzsche, Aus dem Nachlaß, III,855

[6] Nietzsche, Aus dem Nachlaß, III,855

[7] Siehe folgenden Text von Naomi Klein: www.sinpermiso.info/textos/cree- realmente-la-derecha-en-lo-que-dice. 7 oct. 2007

[8] Karl Polanyi, The Great Transformation (1944) -traducción española: La gran transformación, Madrid, La Piqueta, 1989. Polanye habla del necesario “embedding” del Mercado.

[9] MEW, I, S.385

[10] Brecht, Bertolt: Gesammelte Werke Band 12, Prosa 2. Edition Suhrkamp. Frankfurt am Main, 1967 S. 380

[11] Anthony de Mello s.j.: El canto del pájaro. Sal Terrae, Santander, 1982   p. 70 Die Übersetzung stammt vo0m Autor

[12]  Ratzinger als Großinquisitor des Vatikans gab über die Schriften von Anthony de Mello folgendes Urteil ab:

“Durch die gegenwärtige Notifizierung betrachtet diese Kongregation (für Glaubensfragen) es als Pflicht unter dem Gesichtspunkt  der Behütung der Gläubigen zu erklären, dass die Positionen,  die aufgezeigt wurden, unvereinbar sind mit dem katholischen Glauben und grossen Schaden anrichten können.” Joseph Card. Ratzinger  24. 6. 1998

Anthony de Mello war am 1 Juni 1987 verstorben.

 

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